Lebenslauf des Künstlers Danilo Wertenauer
Nachdem immer wieder völlig verschiedene Erwartungen an einen Künstler-Lebenslauf auftauchten, findet sich inzwischen auf dieser Seite eine Sammlung unterschiedlich ausführlicher Texte, die sich auch im Grad der persönlichen Begegnung stark unterscheiden. Jeder ist eingeladen, die Version meiner Lebensgeschichte herauszupicken, welche seinen Vorstellungen am ehesten entgegenkommt. Gerne beantworte ich offengebliebene Fragen persönlich.
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Lebenslauf - knapp, tabellarisch:
Danilo Wertenauer
geboren am 7.10.1969
1989 Abitur
bis 1994 Jurastudium
90er Jahre Lernen und Arbeiten in den Bereichen Bildbearbeitung, Illustration, Animation, Corporate Design, Photodesign, Retusche, Malerei
Mitte der 90er bis Anfang der 2000er Tätigkeit als freier Art Director
Seit 2006 regelmäßig Einzel- und Gruppenausstellungen mit Gemälden, zahlreiche Verkäufe von Werken (auf eine namentliche Aufzählung der privaten Sammler wird aus datenschutzrechtlichen Erwägungen verzichtet)
Bevorzugte Techniken: Aquarell in gesättigten Tönen, harte Konturen mit Tusche, Tinte, Marker, Acryl … aber auch Collagen, Print-Editionen, Hybridkunst mit digitalen und analogen Arbeitsschritten, Bemalung von Körpern und Gegenständen
seit 1994 künstlerisch tätig
seit 2004 Kunst als Hauptberuf
immer wieder Kooperationen, Workshops, Wettbewerbsteilnahmen
kontinuierliche Präsentation der Arbeit auf Social Media
www.erdbeerhund.com (virtuelle Rundgänge durch Ausstellungen etc…)
danilowertenauer.tumblr.com
instagram.com/danilowertenauer
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Lebenslauf, alternativ:
Die wirklich interessanten Künstler leben so in ihrer Kunst, dass sie weder Erwartungen erfüllen noch sich standardmäßig präsentieren. Die Gesellschaft sollte aktiv nach solchen geborenen Künstlern suchen und nicht den geschäftstüchtigen Aufdringlichen das Feld überlassen, weil man sich sonst mit dem Mittelmaß abgibt, das neben der Kunst selbst noch Zeit hat für marktkonformes Selbstmarketing.
In meinem Fall sind mein Sein und meine Kunst kongruent. Wer ein Werk von mir hat, der lebt mit einem Teil von mir. Ich stecke in jedem Bild. Will man meine Kunst verstehen, muss man sich mit mir beschäftigen.
Meine Lebensgeschichte zeigt, dass ich schon immer seltsam anders war und es das Elternhaus und das Schulsystem nicht geschafft haben, mich auf einen normalen Weg zu bringen. Ich nehme Dinge anders war, würde mich inzwischen im neurodivergenten Spektrum finden, erlebe starke sensorische Reize und Lebe in einem im Kopf ständig weitergeschriebenen Theaterstück, das relevante Fragen des Zusammenlebens durchdringt und um vernünftige Lösungen ringt.
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Lebenslauf, mittellang:
Danilo Wertenauer
geboren am 7.10.1969
1989 Abitur
bis 1994 Jurastudium
90er Jahre Lernen und Arbeiten in den Bereichen Bildbearbeitung, Illustration, Animation, Corporate Design, Photodesign, Retusche, Malerei
Mitte der 90er bis Anfang der 2000er Tätigkeit als freier Art Director für größere Agenturen, Institute und Konzerne
Schulungstätigkeit in den Bereichen Kreativitätstechniken, Songwriting, gestalterische Medienproduktion, Photobearbeitung, Kunstprojekte an Schulen
Art Work für Bands und Einzelkünstler
Arbeit mit Videoprojektionen, Daumenkinos, crossmedialen Konzerten, Theaterproduktionen und Kunstperformances im Künstlerduo mit Heiko Stachel (www.zitronenwolf.com) und Kooperationen mit Künstlern verschiedener Disziplinen Verschiedene Wettbewerbe im Bereich visueller und musikalischer Gestaltung (1. Platz bei Filmmusik-Preis Krieger/Kaiserin, SWR3-Rookies und Animago Video-Award)
Seit 2006 verschiedene Einzel- und Gruppenausstellungen mit Gemälden
Bevorzugte Technik:Aquarell mit klaren Konturen aus Tusche,Wachs oder Marker Andere Techniken: Photomontage, Monoprint, Zeichnen auf Photodruck
Regelmäßig Verkäufe von Werken
Street Art Aktionen wie 1 Woche Malen in der Schalterhalle des HBF Stuttgart
aktuelle Informationen, Katalog, virtuelle Rundgänge durch Ausstellungen: www.ERDBEERHUND.com
danilowertenauer.tumblr.com
instagram.com/danilowertenauer
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Lebenslauf, tabellarisch, ausführlicher:
Curriculum Vitae Danilo Wertenauer
1969 4 Wochen zu spät geboren… oder war doch der Briefträger der Vater?
1976 ärztliche Einschulungsuntersuchung will „motorische Störungen“ festgestellt haben
1976 - 1987 Kunstunterricht in Grundschule und Gymnasium, durchgehend Note 3-
Mäßige Kritiken währen der Schulzeit für die „nicht schöne“ Handschrift
1979 Auftritt alufolienkaschierten Kartons als Roboter „Roboplott“ beim Krippenspiel
1980 wenig hilfreicher VHS-Töpferkurs
1982 1. Platz bei einem Fotowettbewerb (Motiv: Sonnenuntergang)
1987 Kunst als Schulfach abgewählt
1989 - 1993 Jurastudium Uni Konstanz, abgebrochen
ab 1992 Fotoretusche und Bildbearbeitung als Handwerk und künstlerisches Gestaltungsmittel, Arbeit beim Retuscheur Romeijn, Photoshop auf hohem Niveau
1993 - 1995 Projekte in den Bereichen Zeitungsjournalismus, Radio, Filmproduktion, Fotoretusche, Softwareentwicklung
1994 Erreichen der 2. Runde im Bewerbungsverfahren der Filmakademie BW
ab 1994 Zeichnen und Malen mit Digitalstift am Rechner
1995 - 2002 Projekte als freier Art Director
ab 1997 erstes Zeichnen und Malen auf Papier und Leinwand
2003 Gastauftritt am Staatstheater bei René Polleschs Stück „Smart House“, Textzeile: „Ihr verdammten Ficksäue!“
2003 Gutachten Prof. Buurman Kunsthochschule Zürich
2004 Gewinner des Remix-Wettbewerbs „Der Krieger und die Kaiserin“
2004 Zusammenarbeit mit der Regisseurin Corinna D’Angelo am Studiotheater
2006 erste Solo-Ausstellung, Konzentration auf den zentralen Kern-Stil
seither etwa alle 1 bis 2 Jahre eine Ausstellung, zum Teil in Gruppenausstellungen
5 der Ausstellungen wurden komplett als virtueller Rundgang dokumentiert, den man jederzeit online erleben und sämtliche gezeigten Werke im Ausstellungskontext betrachten kann.
2006 Gruppenausstellung Gerlinale, Ankäufe von privaten Sammlern
2007 Besuch bei Menashe Kadishman in Tel Aviv, Empfehlungsschreiben erhalten
seit 2007 Kunstworkshops in Kunstklassen an Schulen
seit 2008 Malerei auf menschlichen Körpern, fotografisch und filmisch ausgestaltet
2008 Gewinner des Animago-Filmpreises für das Musikvideo „White Flag“
2009 Multimediale Kunst-Performance beim Stuttgarter Playing Arts Symposium
2011 Schaffung eines Gemäldes am Stück live vor Ort in den Wagenhallen Stuttgart
Seit 2014 Kunst-Blog als Dokumentation der eigenen täglichen Arbeit: https://danilowertenauer.tumblr.com/archive
2015 Solo-Ausstellung Reutlingen bei Michaela Bergner
2015 Theaterproduktion „Alice gespiegelt“ mit Regisseurin Christine Gnann
immer wieder Gestaltung von Gemälden live vor Ort bei künstlerischen und musikalischen Ereignissen
2015 Kunstprojekt in der Schalterhalle des alten Stuttgarter Hauptbahnhofs, eine Woche Malen vor Ort
2016 Solo-Ausstellung Kunstverein Mönsheim
seit 2017 Pflege des offenen Instagram-Accounts www.instagram.com/danilowertenauer
2018 Solo-Ausstellung Rathaus Gerlingen
2019 Holzschnitt auf gesamter Fahrzeugflotte von Wolkober Gärtringen, limitierte Hand-Abzüge live koloriert
2020 Kunststipendium Land Baden-Württemberg
2020 Gruppen Ausstellung Stadtmuseum Gerlingen
seit 2020 Großprojekt „CORONA HOLIDAYS“
2021 - 2022 pandemiebedingt nur Online-Ausstellungen, Live-Streaming Mal-Sessions auf Social Media
2021 Kooperation mit Videokünstler Laurenz Theinert
2021 Zusammenarbeit am Projekt „VRgangene Orte“ mit dem StadtPalais Stuttgart
2023 Gruppenausstellung Rathaus Gerlingen
2024 Street Art Hagnau am Bodensee, Werk „Langnasendoktorfisch“
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AUSFÜHRLICHER LEBENSLAUF
5. Oktober 2025
Ausführliche, persönlich geschriebene Lebensgeschichte von mir,
Danilo Wertenauer, Künstler
… mit Elementen einer Art Manifest
- Nur für wirklich Interessierte -
Wer ich bin, wo ich herkomme, in welche Richtung ich unterwegs bin…
Wie ich bis hierhin so wurde wie ich heute vor Dir stehe? Geht es darum?
Eckpunkte aufzählen, damit der Leser sie zu Linien verbinden kann? Bestätigen, was schon zu vermuten war? Soll er das, der Künstler? Oder sind nicht jene am abgehangensten, die tabellarisch und bis aufs Gerippe ausgedünnt nur die professionell erwartbaren Kernpunkte auflisten? Womöglich ohne Gesicht, ohne Geburtsdatum - nur der geradlinig dieselnde Kunstmotor mit Ausstellungsdaten, Professorennamen und Käuferliste…
Einer wie ich muss schon rechtfertigen, dass er kein abgeschlossenes Kunststudium vorzeigen kann. Illustre Namen von künstlerischen Ziehvätern und Mäzenen? Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Ungefähr hier im Text habe ich vermutlich auch schon alle abgehängt, die Übliches und Etabliertes suchen. Umso mehr freue ich mich über Dich, der Du weitergelesen hast. Ich werde mich hier nicht aufdrängen und anpreisen. Aber es kann sich trotzdem lohnen, mir näher auf den Grund zu gehen.
Ich kann meine Geschichte als über Eck gespielten Künstler nur erzählen, wenn ich ganz grundlegend etwas zur Kunst und zur Rolle des Künstlers sage. Wenn Dich das ungeduldig macht, dann lies einfach ein paar Absätze später weiter.
Es ist mir lange schwer gefallen, auf die Berufsfrage hin gerade heraus zu sagen: „Ich bin Künstler.“ Ich hatte immer schon den Eindruck, dass man das nicht leichtfertig einfach so zu seiner Rolle machen und damit kokettieren darf. Erst recht wenn man sich als „freien Künstler“ bezeichnet, stellen sich viele Fragen, vor allem die nach der „Freiheit“. Jeder kann sich „Künstler“ und darüber hinaus „frei“ nennen. Und je aufdringlicher er das tut, umso größer scheinen seine Chancen wahrgenommen zu werden. Es gab mal die Idee, dass die Gesellschaft sich der Talentsuche widmen sollte, um in allen Bereichen des Schöpfens die bemerkenswertesten Talente auszugraben. Das war, als man noch unbedingt das Allerschönste entdecken wollte. Inzwischen hat man diese Suche beerdigt und die Bringschuld der Künstler eingeführt. Wer glaubt, etwas Relevantes zu gestalten, muss für sich selbst Reklame machen, sich aufdrängen, sein Schaffen als Produkt anderen anpreisen und große Teile seiner Zeit und seines Einfallsreichtums auf dieses Hausieren verwenden. Die Gesellschaft bekommt die aufdringlichsten Künstler, während die originellsten übersehen werden. Kunst ist für die Menschen das, was der produziert, der sich auffällig als Künstler bezeichnet. Für die vermeintlichen Kunstkenner ist Kunst das, was professionelle Kunstmenschen als relevante Kunst bezeichnen. Ein erheblicher Teil der Künstler, die wahrgenommen werden, haben einfach wie vorgegeben funktioniert: Früh schon gerne gezeichnet, Kunststudium, Stipendium, Förderpreis, Berufsverbände, Gruppenausstellungen mit alten Studienkollegen, Bewertung von den üblichen Verdächtigen, Begleitung durch Portraits in der Zeitung usw… So geht das. Es gibt einen Formulierungsbaukasten, aus dem man sich Einladungstexte und Katalogvorworte bastelt, um die erwarteten Register zu ziehen. Wer das alles richtig und artig beherzigt, klappert dann die üblichen Stationen ab und wird unterstützt von denen, die auch an ihren Stellen die vorgegebenen Rädchen drehen.
Aber seit wann ist die Kunst denn artig?
Für mich ist das ein gellender Widerspruch!
Wenn ich fast schon wie ein preussischer Beamter vorgegebenen Vorschriften folge, um dann mit erwartbaren Karriereschritten belohnt zu werden, bringe ich ja schon den Beleg dafür mit, dass ich höchstens ein mittelmäßiger Künstler sein kann, denn für mehr habe ich nicht die Zeit und Konzentration. Der Künstler, der artig über das hingehaltene Stöckchen springt, hat schon angefangen sich korrumpieren zu lassen. Zu radikal? Gut. Was dabei zwangsläufig folgt, ist mein Wunsch, dass die Gesellschaft sich wieder eine offene Talentsuche leistet und an all den geschäftsmäßigen Selbstvermarktern vorbei jene Kunsttalente mit angeborener Besonderheit sucht, die keine klischeebedienenden Dienstleister sind sondern nicht anders können, als sie selbst zu sein und dieses Künstlerdasein mit jeder Faser zu leben ohne Kapazitäten für aufdringliche und angepasste Marketingmaßnahmen.
Bin ich tief aus mir heraus die Energie, die meine Kunst ständig unter Dampf stehen lässt und unablässig nach außen dringt, dann fällt es mir schon schwer, einen halbwegs geordneten Alltag nebenher zu bewerkstelligen, normalen Verpflichtungen nachzukommen und als Bürger nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Denn ich BIN meine Kunst, sie durchdringt alles und tritt mich wie Pedale. Natürlich kann ich kurz ein Bild ins Netz stellen, um Einblicke in mein Tun mit anderen zu teilen. Aber nach einem Wimpernschlag bin ich wieder mitten drin im Weiterwühlen. Es ist kein Bemühen, keine Arbeit, es ist Atmen und Leben, es ist das, was ich mache, solange noch Puls da ist. Selbst wenn ich schlafe, gehe ich dieser Sache nach, verarbeite, sortiere, kompostiere, entdecke, kombiniere und erschaffe. Eine Weile lang habe ich versucht, zu meinen Schöpfungen auch wie das so üblich ist „meine Arbeiten“ zu sagen. Und es stößt mir immer noch auf. Es passt gar nicht. Ich habe gar nichts gegen Arbeit. Aber die Kunst, die aus mir fließt, ist keine Arbeit. Hier entstehen keine Produkte. Das sind Teile von mir. Mein Wesen, meine Essenz treibt Blüten, von denen man manche bekommen kann, um sie zu sich zu holen. Wer eines meiner Gemälde bei sich hat, der verbringt Zeit mit mir und hat es in der Hand, das aufmerksam in sich aufzunehmen.
Einmal hat eine ältere Dame in einer meiner Ausstellungen ein Gemälde gekauft. Sie war völlig im Glück und freute sich darauf, das Bild nach der Ausstellung mit nach Hause nehmen zu können. Als es dann soweit war, dauerte es keine drei Tage, bis sie wieder anrief und sagte, sie müsse das Bild zurückgeben. Ihr Mann habe es ihr madig gemacht und sie verspottet, dass sie für so etwas Geld ausgegeben habe. Sie könne das Bild jetzt nicht mehr genießen. Sie sagte, es täte ihr sehr leid und sie wolle auch das Geld nicht zurück. Sie würde nur das Bild zurückbringen, damit es jemand anders besser einsetzen könne. Mir wurde dabei bewusst, dass die Anwesenheit eines meiner Bilder dem Einen helle Freude und dem Anderen eine beißende Provokation sein kann. Diese Gemälde sind so persönlich und intensiv, dass sie eine spürbare Präsenz in den Lebensraum von Menschen bringen.
Das ist für mich die Kunst, aus der sich meine Rolle als Künstler ergibt: Ich bin auf eine ganz bestimmte, eigenartige Weise und bringe das ein in alles, was ich erschaffe. Wer sich davon etwas in sein Leben holt, tut das nicht, um mit dem Geldwert zu spekulieren oder weil irgendein von wem auch immer autorisierter Fachmann mein Werk als ernstzunehmend deklariert hat. Im besten Fall stellt jemand fest, dass er etwas von mir bei sich braucht.
Welche Aspekte und Ebenen meines Gemäldes dann in welcher Reihenfolge und Intensität bewusst wahrgenommen und besser kennengelernt werden, kann niemand vorhersagen. Auch jemand, der mein Gemälde anfangs nur wegen der zum Sofa passenden Farben bei sich aufgenommen hat, wird womöglich irgendwann den im Bild untergebrachten Teilen meines Wesens auf den Grund gehen wollen.
Als dieser spezielle Künstler lebe ich also und entwickle mich, beschäftige mich jeden Moment mit dem, was mir wichtig erscheint und gieße meine Art in die Dinge, die ich erschaffe, damit sie hinausgehen und Menschen anregen, unterhalten und inspirieren.
Und deshalb ist mit meinem Kunstbegriff und meiner Vorstellung von der Rolle des Künstlers auch untrennbar meine bisherige Lebensgeschichte verflochten. Ohne all das, was ich erlebt habe und was mich auf meine Art geprägt hat, wären meine Bilder nur hohle Formen und Farben. Wäre ich nicht davon überzeugt, dass ich eine Art komischer Unfall der Geschichte bin und ich durch meine seltsame Andersartigkeit etwas Bereicherndes für „normalere Menschen“ sein kann, würde mein Leben als Künstler keinen Sinn ergeben.
Wenn jetzt jemand fragt, ob ich denn nicht auch auf gewisse Weise „artig“ sei, wenn ich hier so ausführlich erkläre, was ich mir bei alledem denke, würde ich antworten: In meinem Fall ist ein Erklären, und erst recht ein schriftliches, Teil meiner Art. Das ist auch Teil meiner Identität, die Sprache zu nutzen, Dinge niederzuschreiben, mich zu erklären. Wäre das nicht so, hätte ich dafür keine Kapazitäten, weil es mich ablenken würde von meiner Kernaufgabe. Aber für mich hat zum künstlerischen Schaffen auch immer die Reflexion und das Nachjustieren über sprachliche Kommunikation gehört. Intensive Briefwechsel machen mein Leben, Denken, Fühlen und Handeln entscheidend aus.
Hier kommt jetzt mein Versuch, die wichtigen Erlebnisse meines bisherigen Lebens zusammenzutragen, damit man rausfinden kann, woher ich komme und in welche Richtung ich unterwegs bin. Daraus ergeben sich die Themen und Haltungen, für die ich und meine Gemälde stehen.

1969 geboren, kurz nachdem der erste Mensch den Mond betreten hatte, war ich als allererster einer neuen Generation in meiner Großfamilie das ersehnte erste Kind, Enkelkind, Patenkind usw. Mein Name Danilo ging gleich mal unter die Gürtellinie, denn alle hatten natürlich einen „Michael“ oder „Stefan“ erwartet. Mit 4 massiv pietistischen Großeltern, die vieles verkörperten vom Arbeiter zum Ingenieur, von der armen Kirchenmaus bis zum gehobenen Dorfadel war mein Korsett der Erwartungen schon stramm geschnürt, bevor ich wusste, wie mir geschieht. Meine Eltern, eine Lehrerin und ein Kaufmann, hatten viel Liebe und Optimismus für mich. Aber der Weg vom braven Schüler, über den funktionierenden Jurastudenten hin zu einem „Tagdieb“ und „Nachtgrapp“, der alles hinterfragt und von wenigem überzeugt ist, sollte ein holpriger werden. Ein anerzogener Glaube, die Mechanismen einer stark vereinnahmenden Religion und die Rolle von Prinzipien wurden entscheidende Themen. Das Leben in einem Lehrerinnenhaushalt, wo die Anrufe der um Rat bittenden Eltern nie nachließen, während man selbst die Schule als einen unsicheren Ort erlebte, sorgte für ständigen Diskussionsstoff. Das Telefon des selbständigen Vaters machte auch nie Pause. Wer wann wie intensiv nach einem greifen darf, wie sehr man für andere da ist - daran gab es immer etwas zu kauen. Schulpflicht und Bildungsplan, Bewertung von vermeintlichen Leistungen, die Erwartung, sich „normal“ einzufügen - all das stellte eine tägliche Aufforderung zum Widerspruch für mich dar. Vieles fühlte sich falsch an, verkeilte sich an allen möglichen Stellen und blieb auch auf Nachfrage widersprüchlich und unmenschlich. Auch die angeblichen Sachzwänge des Geschäftslebens meines Vaters schubsten mich vor sich her. Die Frage nach allgemein geltenden universellen Rechten und schützenswerten Grundannahmen nahm eine zentrale Rolle ein in meiner Suche nach Orientierung. Eine straff reglementierte Ethik und die allgegenwärtige Frage nach der eigenen Verantwortung werden sehr anstrengend, wenn man sich mit nichts einfach so abfindet. Wie man keine Schuld auf sich lädt sondern ein Leben führt, bei dem alles im Vertrösten aufs Jenseits in der Verzicht-Tonne landet, beschäftigte mich einige Jahre. Aber gerade nicht das überbetonte Nachdenken und Argumentieren liess mich in den 90ern einen Ausweg finden. Je mehr ich meine kindliche Intuition, die spielerische Kreativität und meine seltsame synästhetische Ader ernst nahm, umso mehr kamen Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln zu einer stimmigen Einheit zusammen und führten mich zum Ausgestalten von Sinnesreizen. Dabei spielte das Komponieren seit meinem 12. Lebensjahr eine wichtige Rolle.
Zur Malerei brachte mich die Bildbearbeitung am Computer. Schon als kleines Kind fotografierte und filmte ich, nahm Hörspiele auf und entwickelte meine Fotos im eigenen Schwarzweiß-Labor. Sämtliche händischen Eingriffsmöglichkeiten wurden 1992 an meinem ersten Mac durch die Version 2.0 von Photoshop in eine neue Dimension katapultiert. Während der 90er Jahre wurde die Bildbearbeitung meine Welt. Ich lernte nach dem abgebrochenen Jurastudium bei einem erfahrenen Retuscheur wie man Fotos verschmelzen und eigenes Licht setzen kann. Konzertfotografie begleitete mich einige Jahre sowie das Schreiben von Konzertkritiken für eine Lokalzeitung. Für einen privaten Radiosender arbeitete ich im journalistischen und im Marketing-Bereich. Über einen befreundeten Informatiker landete ich beim Fraunhofer Institut, wo ich am Aufbau eines Medienzentrums mitarbeitete und dort interaktive Medien gestaltete und Schulungen gab. Video, Animation, Musikproduktion, Bildbearbeitung und ein ganzheitlich-konzeptionelles Ausgestalten von Medieninhalten lag damals stark in der Luft und fokussierte meine Neugierde. Aus mir war über die Jahre und durch viele ganz unterschiedliche Medienprojekte ein freier Art Director geworden. Ich hatte großes Glück, denn nach jedem Projekt kam ohne mein Zutun immer das nächste gleich um die Ecke. Das aufkommende Internet trieb uns vor sich her. Keines meiner Projekte war reine Werbung oder billige Reklame. Es ging um Spiele, nützliche Dienste, unterhaltsame Inhalte. Und immer häufiger war ich mit einem digitalen Zeichenstift zugange. Irgendwann fragte ich mich, ob ich vielleicht doch auch auf Papier etwas zustande bringen könnte. Meine Kunst war die ersten Jahre rein digital und eroberte sich dann Stück für Stück immer mehr analoge Elemente im Schaffensprozess, bis dann auch rein auf Papier und ohne Digitaltechnik ganze Gemälde Gestalt annahmen. Mein Erkunden der analogen Mal- und Zeichenwelt war deshalb so besonders, weil es die ersten etwa 28 Jahre meines Lebens besonders gründlich geschafft hatten, mir dahingehend jedes Talent abzusprechen. Jeder weitere Kunstlehrer in der Schule schrieb mechanisch die Note 3- seines Vorgängers ab und in mein Zeugnis. Eine Förderung fand durchgehend nicht statt. Kunst als Fach wählte ich so bald wie möglich ab. Die Zwangskurse in der Volkshochschule, zu der mich meine wohlmeinende Mutter angemeldet hatte, vergällten mir das plastische Arbeiten mit Ton. Über die digitale Bearbeitung meiner eigenen Fotos zurück zu Papier und Stift zu finden, war für mich eine unerwartete Wendung. Von da an holte ich alles nach, was es zu lernen gab über das Malen und Zeichnen, über Perspektive, Farbenlehre usw. Ich probierte mich mehrmals quer durch alle greifbaren Mal- und Zeichenmedien von Eitempera über Kohle, Tusche, Acryl, Öl über Copicmarker hin zum Aquarell, welches mein härtester Endgegner werden sollte. Die Aquarellfarben waren das Pferd, das mich am stursten immer wieder abwarf und meine Entschlossenheit aufs Höchste prüfte. Am Ende blieb ich im Sattel sitzen und hatte gelernt, mich bei all dem Galopp trotzdem nie abwerfen zu lassen sondern mitzuwippen. Dass ich eine harte, klare Konturlinie brauche, wurde relativ schnell klar. Es gibt wohl kaum einen Pigmentmarker, den ich nicht ausführlich getestet habe. Wachs, Pastell, Ölpastell, Tinte, Tusche, Acryl - sie alle haben irgendwann ihren Platz auf der Klaviatur meiner Konturmedien gefunden.
Nachdem ich ein paar Jahre meine Hausaufgaben nachgeholt hatte, kristallisierte sich relativ schnell ein Stil heraus, den viele als charakteristisch und gut wiedererkennbar bezeichneten. Ich reagierte auf eine Annonce, wo jemand für seine kleine Galerie den ersten ausstellenden Künstler suchte. Die Galeristin traf sich mit mir und fand, dass ich mich für die Ausstellung entscheiden müsse unter den vielen zum Teil sehr unterschiedlichen Richtungen meiner Bilder. Das war der Moment, an dem ich intuitiv den Kern meines visuellen Stils beim Schopf packte und die anderen Richtungen zu seinen Gunsten beiseite schob. Seither habe ich mich ganz darauf konzentriert von diesem Kern aus mein Spielfeld und meine Gestaltungsmöglichkeiten auszubauen.
Meine Art zu malen beinhaltet ganz grundlegend eine Art visuelle Sprache mit einem begrenzten Repertoire an Vokabeln. Das sind stets wiederkehrende Symbole, die jeweils Bedeutungscontainer sind und auf der Bildfläche Beziehungen eingehen zueinander. Je nach Nähe und farblich ähnlicher Ausgestaltung entstehen Übereinstimmungen oder Widersprüche. Im Kern gibt es vier Elemente, die auf keinem vollständigen Gemälde von mir fehlen: Der Langnasendoktorfisch, die Erdbeere mit Schleifen, das Wort „ITCH“ und die Zahl 44. Jeder dieser Teile kommt mit einem gewissen Spektrum an Deutungsmöglichkeiten daher wie eben jedes Wort in einer Sprache auch. Diese vier Elemente müssen als Aufgabenstellung an mich selbst auf wirklich jedem vollständigen Gemälde vertreten sein. Sie haben alle eine besondere Geschichte mit starker Verbindung zu meinem Leben. Bei Interesse erzähle ich diese Geschichten. Aber es gibt noch eine ganze Menge mehr Symbole, die wie Wörter einer Sprache immer wieder auftauchen und mit sich eben auch ein gewisses Deutungsspektrum mitbringen. Gesichter spielen eine wichtige Rolle in den Gemälden. Wie diese auftauchen dürfen und an welche Regeln sie sich dabei halten müssen, ist zum Teil in meinem Kopf recht straff vorgegeben. Die Gesichtsausdrücke und Sichtachsen gestalten wesentlich die Atmosphäre und Stoßrichtung des Bildes.

Anfang der 2000er Jahre ging meine Zeit als Art Director vollends zu Ende. Ich hatte vieles erlebt und mir alles bewiesen. Ich war ausgebrannt. Der große Medien-Hype glühte langsam aus. Und zum Glück rief seit Jahren zum ersten Mal keiner mehr an, um das nächste Projekt loszutreten. Es passte perfekt, denn ich brauchte eine Pause. Nachdem meine Kräfte wieder aufgetankt waren, war mir klar, dass ich jetzt Künstler war. Vieles hatte in mir und um mich herum darauf zugearbeitet. Nun war es soweit und ganz klar. Ich richtete mich ganz auf ein Leben als Künstler ein, ließ das Berufsleben der vergangenen Jahre hinter mir und bereitete meine erste Ausstellung vor. Etwa zeitgleich bekam ich meinen Sohn. Es war klar, dass ich mich für ein Leben als Vater und Künstler entschieden hatte und ich wollte keines von beiden nur so halb hinbekommen.
Ich stellte immer wieder aus und tat mich nicht schwer, immer wieder Menschen für meine Bilder so zu begeistern, dass es auch zu Verkäufen kam. Weder die Ausstellungen noch die Käufer waren so glamourös, dass man das lückenlos auflisten und damit Eindruck schinden könnte. Mir ist klar, dass solche Listen üblich sind und von vielen Künstlern erwartungsgemäß dargeboten werden. Viele meiner Käufer würden gar nicht wollen, dass jeder sehen kann, dass sie Geld für Kunst „übrig“ hatten. Ich habe mal gesagt, dass ich verspreche, den ersten Ankauf durch das MOMA auf jeden Fall in meine Vita zu übernehmen. Daran halte ich mich.
Unzählige Handbücher für selbstvermarktende Künstler und ähnliches habe ich durchgearbeitet, um nichts zu übersehen, an das man denken muss, wenn man dieses Leben führen möchte. Die Künstlersozialkasse wollte eine Fachmeinung über mich und mein Schaffen, weil ich ja kein abgeschlossenes Kunststudium vorweisen konnte. Ich hatte noch nicht mal ein abgebrochenes. Das Gutachten eines Kunstprofessors von der Kunsthochschule Zürich bescheinigte mir, dass man mich als Künstler ernstnehmen dürfe. Kurze Zeit später habe ich in Tel Aviv einen der bekanntesten Künstler Israels besucht: Menashe Kadishman. Ihm gefielen die Fotos meiner Werke, die ich ihm zeigte. Und spontan schrieb er mir ein Empfehlungsschreiben mit Zeichnung meines mitgebrachten Babies. Von Menashe abgesehen habe ich keine Empfehlungen bekannter Künstler oder Kunsthistoriker. Ich male, begegne Menschen, und manche merken, dass sie ein Bild von mir in ihrer Sphäre brauchen. So kommen meine Bilder unter die Leute. Vor der Coronapandemie habe ich etwa alle ein bis zwei Jahre eine Ausstellung gemacht. Manchmal waren auch Gruppenausstellungen dabei. Durch Corona haben die Ausstellungen völlig aufgehört und danach gab es so ein starkes Drängen vieler Künstler zu den Ausstellungsmöglichkeiten, dass ich mich an vielen Stellen einfach nicht auch noch mit aufdrängen wollte. Ich habe mich 2023 an einer Gruppenausstellung beteiligt. Aber auch da spürte man, dass durch die coronabedingte Durststrecke bei vielen Künstlern ein immenser Druck herrscht, mit dem ich nicht frontal in Konkurrenz trete.
Mein tägliches Leben und Schaffen mit der Kunst wird seit Jahren auf sozialen Netzwerken gezeigt. Das fing an auf meiner eigenen Homepage, die ich bereits in den 90er Jahren begonnen hatte. Schon früh konnte man bei Facebook meine neuesten Malereien beobachten. Es kam dann ein visueller Blog auf TUMBLR hinzu, den ich viele Jahre fast täglich gepflegt habe. Irgendwann nahm die Bedeutung von Instagram so stark zu, dass ich dort auch präsent war und streckenweise live sendete, wie ich am Malen war. TikTok und Twitter begleiteten das immer wieder unterschiedlich intensiv. Zuletzt kam Bluesky dazu. Zwar habe ich auf Facebook und Instagram schon einige hundert Follower, aber die Aufmerksamkeit und konkrete Wahrnehmung hat über die Jahre kontinuierlich abgenommen. Man kann die Übersättigung deutlich beobachten. Oft werden Dinge von unabhängigen Künstlern durch anderes verdeckt und beiseite geschoben. Umso wichtiger ist die persönliche Begegnung mit Menschen. Da ich viel draußen zum Malen bin, kommt es immer wieder zu Gesprächen mit Passanten, die meine Kunst auf diesem Wege entdecken.
Wer mal bemerkt hat, dass es mich gibt und dass meine Kunst interessant sein könnte, hat auf meiner Website die Möglichkeit, sich virtuell durch einige meiner Ausstellungen zu bewegen, sich frei zu drehen und in die Werke hineinzuzoomen. Auch für interessierte Ausstellungsmacher ist das eine gute Möglichkeit, sich die Wirkung meiner Bilder vor Ort vorzustellen. Mein Bruder hat sich auf Panoramafotografie spezialisiert und gestaltet diese virtuellen Rundgänge.
Anfangs habe ich mit der Idee sympathisiert, nur Druckeditionen anzubieten und das klassische original Unikat gänzlich abzulehnen, damit es nie diesen EINEN Eigentümer eines Werks geben könnte. Ich entwickelte meine Art von ganz mattem Pigmentdruck auf strukturiertem Büttenpapier ganz offen ohne Glas in einem Schattenfugenrahmen mit 10 mm Sichtkante und 10 mm Schattenfuge. Diese Editionen waren meist auf 30 Exemplare limitiert, handsigniert und durchnummeriert. Der Käufer konnte in einem gewissen Rahmen die Größe seines Exemplars selbst wählen. Nachdem immer wieder der Wunsch nach einem original Unikat laut wurde, begann ich, auch rein analog gemalte Aquarelle so anzubieten. Auch sie kommen ohne Glas im Schattenfugenrahmen. Zum Schutz des Gemäldes wird ein unsichtbarer Firniss mit UV-Schutz aufgebracht.

Natürlich gab es hier und da auch mal Berichterstattung in der Zeitung oder ein Künstlerportrait. Da ich selbst lange im Kulturbereich für Zeitungen gearbeitet habe, weiß ich einerseits diese Arbeit schon zu schätzen, andererseits aber sticht mir jedes Mal wieder die begrenzte Aussagekraft dieser Art von Berichterstattung und Kommentierung ins Auge. Ich kann verstehen, dass Künstler zum Teil alles, was jemals über sie in Printmedien erschienen ist, in die Pressemappe und auf die Homepage packen. Aber zu meiner Art passt das weniger. Wenn da jemand titelt „ Der bürgerliche Picasso von nebenan“, bringt mich das zum Schmunzeln, löst aber nicht dem Impuls aus, das der Welt als Bericht über mich hinzuhalten.
In den letzten Jahren ist einiges an Themen dazugekommen, die mich umtreiben und welche ihren Weg in meine Gemälde suchen und finden. Mich hat immer schon das Faktische interessiert, die Dinge, die wir alle greifen können und über deren Tatsächlichkeit auch kein Streit bestehen muss. Je deutlicher das rein gefühlte Rechthaben losgelöst von Fakten salonfähig und sogar normal wurde, umso mehr stemmte ich mich dagegen. Und auch hier steht wieder die Behauptung im Raum, dass es unveräußerliche Menschenrechte geben muss, die zu keiner Zeit jemand hinterfragen braucht. Welche Rolle beim Normalisieren von Widersprüchlichkeit der Zeitgeist, Modemacher, Propagandisten und religiöse Führer spielen, gehört elementar zu meinen täglichen Versuchsanordnungen. Welche Werte und Prinzipien kann man dem wirkungsvoll entgegensetzen? Gibt es noch Grund, Optimismus zu verbreiten? Wie finde ich heraus, dass die Zeit für blanken Stoizismus oder Opportunismus gekommen ist? Welche Rolle kann der Rechtsstaat spielen? Kann sich unsere Demokratie verteidigen? Wieviel eigenes Entscheiden über Richtig und Falsch wird dem Einzelnen zugestanden? Was ist mit all den -ismen? Wo zwischen den Extremen finde ich meinen Platz? Wie kann wieder Vernunft Einzug halten zwischen Globalisierung und Nationalismus? Im Zuge dessen wird meine Kunst auch konkreter politisch, ohne dass sie je unpolitisch gewesen wäre.
Es sind aber beileibe nicht nur die gesellschaftlichen Tendenzen und die politischen Aufreger, die mich zunehmend über das Grenzensetzen malen lassen. 2019 kämpften meine beiden Kinder mit meiner Hilfe am Familiengericht darum, nicht mehr die Hälfte ihrer Zeit bei ihrer übergriffigen Mutter leben zu müssen. Das war ein sehr intensives Jahr. Auf Druck meiner Exfrau wurden wir alle durch ein zehrendes Gutachterverfahren gepresst. Meine Kinder bekamen Recht und leben seither ganz bei mir. Aber ihre Klagen über die seelische und körperliche Gewalt durch die Mutter führten nicht zu einer Bestrafung der Täterin. Darunter leiden die beiden Jugendlichen bis heute. Mit sehr viel Anstrengung haben sie es geschafft, sich selbst aus dem Wirkungskreis der Gewalttätigen zu befreien. Vor 4 Jahren haben sie den Kontakt zur Mutter dann gänzlich abgebrochen, weil es einfach nicht besser wurde. Aber nach wie vor kann das Umfeld nicht glauben, dass diese „nette Frau“ hinter verschlossenen Türen gewalttätig war. Die Fragen nach Gerechtigkeit, nach dem Durchsetzen von Offenkundigem, nach Strafe und Wiedergutmachung, nach Schuld und Entschuldigung beben noch immer nach. Und die haben sowohl im Privaten als auch in größeren gesellschaftlichen Bögen heute eine greifbare Relevanz. Man mag diese schweren Themen nicht auf Anhieb in meinen Bildern finden. Aber sie lassen sich entdecken, denn sie durchziehen mein Werk.
Mir waren immer jene Künstler sympathischer, die Fragen anrissen und bereit schienen, verschiedene Antwortmöglichkeiten zuzulassen. Wenn aber ein Künstler sich so gänzlich unangreifbar hält, indem er sich nie positioniert, kam mir das etwas zu einfach vor. Ich selbst möchte einer sein, der zeigt, wie oft er mit seiner Haltung zwischen den Stühlen sitzt und weder reflexartig aus Zugehörigkeit ins eine Extrem rutscht noch aus welchen Gründen auch immer ins andere. Fleisch essen, Tempolimit, Aufrüstung, Abtreibung… viele dieser leidigen Dauerthemen, die oft nur noch als Zugehörigkeitsmessschnur missbraucht werden, würde ich gerne abwägend, basisdemokratisch und oft auch pragmatisch entscheiden wollen. In meinen Gemälden sieht man immer wieder auch mich, wie ich da im Gewirr von Stimmen und Verbindungslinien rumstehe und von den vielen Lauten überfordert bin.

Eine für mich als Künstler und auch schlicht als Mensch spannende neuere Entwicklung ist die Erkenntnis, dass viele Menschen nicht einfach nur „normal“ sind sondern in einem Spektrum an neurodivergenten Ausprägungen irgendwo daheim sind. Einiges an Traumata aus meiner Kindheit ist in der Rückschau darauf zurückzuführen, dass man nicht erkannte, an welchen Punkten die Intensität meiner Sinneseindrücke viel stärker war als bei „normalen“ Menschen. Ich habe mich mit 3 Jahren noch mit dem Kinderwagen vom Kindergarten abholen lassen - und das nicht, weil ich zu faul zum Laufen war. Nur hat damals keiner verstanden, was zu Fuss gehen für mich bedeutete. Anders als die meisten anderen Kinder hatte ich starkes Heimweh auf Kinderfreizeiten. Das wurde weggesungen und weggeklatscht mit null Erfolg. Und so gab es einige Dinge in meinen ersten 20 Jahren, die in ihrer Form und zu ihrer Zeit über mich hinwegrollten wie die Panzer ohne Rücksicht auf Verluste. Ich erlebe heute junge Leute, die auf solche Dinge anders achten und zum Teil auf mehr Verständnis hoffen dürfen. Was der Einzelne aushält, was ihm schadet oder nutzt - das beurteilen zu lernen und im Zweifel auszuhalten, dass man nichts dazu sagen kann, halte ich für eine ganz wichtige Erkenntnisaufgabe, die auch von der Kunst angepackt werden muss.
Die Frage, wer für uns alle definiert, was "normal" ist, steht zentral im Forschungsfeld meiner Kunst. Ich suche Möglichkeiten, die versplitterten Gruppen Wohlmeinender zusammenzubringen, die sich gegen verschiedene Formen von Diskriminierung stemmen. Grundlage jeder Schlechterbehandlung von Andersartigen ist stets eine festgelegte Vorstellung von Normalität. Wer von dieser abweicht wird identifiziert, abgesondert und drangsaliert. Meine Beschäftigung mit dem Verhalten meiner beiden Großväter im dritten Reich gab mir vieles zu denken und einiges an Hausaufgaben für meine eigene Ethik sowie für philosophische Denkprozesse, welche in und durch meine Malerei weiter reifen. Die diffizile Grenzziehung zwischen hilfreichen Konventionen einerseits und gleichmacherischer Normalität andererseits betrifft mich als Mensch existenziell und fordert mich als Vater heraus, meinen Kindern eine nachvollziehbare, verantwortungsbewusste Ethik vorzuleben. Mitläufertum in Zeiten von alles durchdringenden Massenmedien bleibt eine unserer größten Herausforderungen, zu denen im Besonderen Künstler für die Gesellschaft etwas beitragen können. Ich bin sehr dafür, dass Wissenschaftler und technische Fachleute elementar zu Entscheidungsprozessen beitragen. Die Verteilung von Macht hin zu jenen, die schlicht am meisten Geld und dadurch käuflichen Einfluss haben, ist das Geschwür, gegen das wir alle angehen müssen. Beim Aus- und Umgestalten unserer humanistischen Ordnung müssen neben wissenschaftlichen und technischen Fachleuten auch Philosophen und Künstler ihre Perspektive einbringen.
Als ich zum ersten Mal den sicheren Schoß meiner Familie verließ und im Kindergarten mit 3 Jahren auf andere traf, begegnete mir von Anfang an die ständige Fremdbewertung und das stigmatisierende Feststellen von Andersartigkeit durch Menschen, für die ein Erkennen von Unterschieden selbstverständliche Dauerbeschäftigung war und für die Toleranz oder gar Faszination für das Andere nicht ins zwischenmenschliche Repertoire gehörten. Jeder, der nicht ins erwartbare Schema passte, wurde an den Pranger gestellt, ausgegrenzt und gequält. Jedes Abweichen von der Norm wurde unmittelbar von den Gleichaltrigen abgestraft. Auch die Erzieherinnen im Kindergarten und später die Lehrerinnen in der Schule machten das Selbe - nur ein bisschen pädagogisch kaschiert. Sehr früh fand ungefragt eine ständige Bewertung des Aussehens, der Figur, der Kleidung statt. Die Tatsache, dass ich ab der 3. Klasse eine Brille tragen musste, war Quell ständiger Hänseleien. Meine Kleidung trug keine Markennamen, was mir dauerhaft die Einordnung in der Kaste der sozial Ausgestoßenen einbrachte. Ich war gemessen am Idealbild zu dünn und später zu lang. Jeder durfte das deftig kommentieren. Lehrer, vor allem Sportlehrer, winkten es süffisant durch, wenn man als "Sack voller Hirschgeweihe" bezeichnet wurde. Meine gesamten 13 Jahre Schulzeit wurde mir die Hitlerzeit massiv immer wieder eingebläut. Es gab wenige Fächer und Lehrer, die nicht zu irgend einem Zeitpunkt davon anfingen, wie schlimm das war und dass sich das niemals wiederholen dürfte. Das leuchtete mir völlig ein. Nur dämmerte mir, dass zwar nach 1945 die Symbole des Nationalsozialismus verboten wurden, das eigentliche Nazisein in den Menschen aber weiterexistieren durfte. Und besonders die Mechanismen, welche den Holocaust überhaupt möglich machten, blieben selbstverständliche deutsche Tugenden: Das Vorgeben einer Normalität und das Mitläufertum mit all seinen Sanktionierungsfacetten für Abweichler. Bis heute wird dieser Krebs inserer Gesellschaft nicht konsequent behandelt. Würden sich alle, die gegen Diskriminierungen kämpfen, zusammentun und die Ursache dahinter gemeinsam angehen, hätten wir eine große Chance. Als Künstler sehe ich da eine meiner zentralen Aufgaben. Ich leide aber besonder darunter, dass die meisten Künstlerkollegen einfach auch nur irgendwo als normal dazugehören wollen - in ihrem Fall meist in eine normierte Künstlerwelt mit einem vorgegebenen Bündel an vorausgesetzten gemeinsamen Überzeugungen. Das variiert oft nur zwischen den Künstlergenerationen ein wenig. Die jüngeren legen größeren Wert auf Veganismus, Klimaschutz und Sex- und Genderfreiheiten. Aber um als Künstler "normal" zwischen den Kollegen unauffällig dazuzugehören, muss man eben die festgelegten Feindbilder und oft dazugehörigen simplen Forderungen kennen und abfragbar parat haben. Da falle ich erneut aus dem Rahmen. Wenn der Künstler sich nicht erlaubt, selbst neu nachzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen, dann hat er seine Kernaufgabe bereits verraten. Welche Konventionen im Kunstmarkt bewährte Gewohnheiten zum einfacheren Umgang darstellen und ab wo es bereits wieder die gefährliche Normierung darstellt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich gehöre zu jenen Künstlern, die da vorsichtig sind und früh schon eine Grenze ziehen. Wenn scheinbar alle Künstler gleich aufgebaute Internetseiten vorhalten, damit demnächst schon ein simpler Chatbot sie abschließend bewerten kann, dann falle ich an dieser Stelle ganz bewusst aus. Wer nicht individuell eine Auseinandersetzung mit mir und meiner Kunst sucht, sucht und findet vermutlich durchgehend eher die angepassten als die tatsächlich eigenartigen Künstler. Je angepasster ein Künstler auftritt - und sei es auch nur in seiner öffentlichen Präsentation - umso größer ist die Gefahr, dass er der Gesellschaft keine andere, eigenständige Sichtweise mehr anbieten kann, weil er schon zu sehr Teil der Normalität geworden ist und den Kampf gegen die Vereinnahmung aufgegeben hat. Ich kenne Künstler, die einfach schöne bunte Flächen passend zur Tapete anbieten. Manche möchten denen den Künstlerbegriff absprechen. Das interessiert mich nicht. Aber solche Künstler interessieren mich künstlerisch auch nicht. Was ich mache, ist im Grunde nicht käuflich und darf es auch nie werden. Die Tatsache, dass man für Geld eines meiner Werke bekommen kann, darf nie damit verwechselt werden, dass man dadurch Einfluss auf mein eigenständiges Denken und Handeln nehmen könnte. Der korrupte Künstler ist der kaputte Künstler.
Als Künstler wird man ständig danach gefragt, woher man die Ideen für die Bilder nimmt. Oft sitze ich zeichnend irgendwo im öffentlichen Raum und werde von Passanten gefragt, wie es denn sein kann, dass ich ganz ohne Vorlage fließend stundenlang Dinge aufs Papier bringe. Es gibt Künstler, die überhaupt nur arbeiten können, wenn sie zahlreiche Skizzen und Vorstudien angefertigt haben und sich dann für viele Stunden ungestört im Atelier einschließen können. Meine Arbeitsweise ist anders. Ich kann immer und überall weiterarbeiten. Es ist, als ob ich ein riesengroßes Gesamtbild verteilt auf meine Lebenszeit malen würde. Und jeden Tag verbringe ich viele Stunden damit, weiterzumalen an diesem Gesamtwerk. Es sind viele kleinere Teile eines großen Ganzen. Ich kann jederzeit unterbrechen und immer auch wieder weitermachen, selbst für nur wenige Minuten. Denn im Hintergrund läuft dieser Schaffensprozess ununterbrochen und unaufhaltsam. Es ist wie ein Gespräch, das weiterläuft, auch wenn man mal kurz rausgeht und die Türe schließt. Bei mir ist es eine Art Theaterstück, das ständig in meinem Kopf weitergeschrieben wird. Die Eckpunkte davon fließen dann in meine visuelle Kunst. Aber ich kann daran auch weiterarbeiten, wenn ich nur dasitze und auf etwas warte. Es arbeitet buchstäblich ständig. Ich kenne Menschen, die das auch haben, denen das aber zu anstrengend ist und denen womöglich ein Ventil dafür fehlt. Manche neigen dazu, das zu betäuben, damit sie Ruhe haben. Ich nehme es als mein Wesen an und mache Kunst. Es ist sowieso da und drängt nach außen. Also öffne ich das Ventil wann immer ich Pinsel oder Stift in die Hand nehme, und es fließt. Während des Malens selbst oder sogar erst anschließend dämmert mir, was inzwischen in meinem inneren Theaterstück alles passiert ist, wohin die Entwicklung geht und was jetzt gerade dran ist. Ich erkenne die größeren Bögen und Zusammenhänge und weiß aber auch, dass ich noch vieles nicht begriffen habe über das, was letztlich mein Gesamtwerk dann tragen wird. Im Grunde bin ich oft einfach wie ein Medium, das die Dinge wie ein Faxgerät einfach sichtbar macht. Viele der innerlich gereiften Überlegungen und Assoziationen freuen und erstaunen mich, wenn sie sich so manifestieren. Aber es sind auch niederschmetternde Erkenntnisse dabei, Warnungen und düstere Aussichten. Dieser Prozess läuft einfach schon immer in mir. Das bin ich. Ich greife schon steuernd ein, wo das möglich und notwendig ist. Aber im Grunde bin ich ein spezielles Wesen, das sich ununterbrochen abarbeitet an bestimmten Themen, die wichtig erscheinen. Meine ganze Kindheit und Jugend hat die Welt um mich herum sehr viel Aufwand betrieben, mich krummen Nagel geradezuklopfen und mir die Flausen auszutreiben. Als ich mit 20 anfing, Jura zu studieren, dachten alle, sie hätten es geschafft, mich normal zu machen. Aber meine Art, Dinge zu erleben und dabei innerlich ständig diese Theaterstück weiterzuschreiben, war nicht kaputtzukriegen. Ich hatte eine Schulfreundin, die mir schon zu Ende der Schulzeit sagte, dass ich scheitern würde beim Versuch, etwas Normales zu machen und dass ich eigentlich ein Künstler sei. Sie war die Einzige, die durchblickte. Nachdem ich fast die ganzen 70er Jahre und die gesamten 80er Jahre in vorgegebenen Institutionen verbracht hatte, die mich einpassen wollten in einen Standardbauplatz der Gesellschaft, brauchte ich noch die gesamten 90er Jahre, um die unumstößliche Wahrheit in den Worten meiner Schulfreundin zu begreifen.

Noch bevor für mich die Grundschule anfing, attestierte mir die Schulärztin, ich hätte "motorische Störungen", man bemängelte, dass ich nicht freiwillig bastelte und meine Art, mit einem Stift umzugehen, wurde als unzureichend abgewertet. Es folgten endlose Jahre der Dauerkritik an meiner hässlichen Handschrift. Da gab es eine vorgegebene Normschrift. Und meine wich davon ab. Die ständige Bewertung all dessen, was ich war und tat, begleitete mich ohne einen einzigen Tag Pause davon. Meine eigene Mutter war Grundschullehrerin und spezialisiert auf korrekte Handschrift. Sie wurde nicht müde, mir Tips zu geben und das, was sie sah als nicht ausreichend zu bezeichnen. Angeordnetes Basteln war die angesagte Normalität unter Pädagoginnen. Selbst bei Kindergeburtstagen gab es oft etwas Vorgegebenes, das exakt so nachgebastelt werden musste. Meine Grundschullehrerin warf mich in der 2. Klasse raus, als ich es auch im zweiten Anlauf nicht schaffte, den Flügelengelskerzenständer haargenau so zusammenzubauen, wie das vorgeschrieben war. Basteln und ich hatten uns auseinadergelebt, bevor wir es ernsthaft miteinander probiert hätten. Denn es war von Anfang an überdeutlich, dass das auch nur wieder ein weiteres Feld war, wo jemand eine vordefinierte Norm nutzte, um mein Abweichen davon runterzumachen. Während 13 Jahren Schule gab es keine einzige Möglichkeit, mal künstlerisch frei zu arbeiten und das dann unbewertet stehenzulassen. Es ging immer darum, wie nahe man den Erwartungen kommen konnte, wie präzise man die Vorgabe erfüllte. Und natürlich wurde man stets benotet, damit man im Vergleich zu den Anderen sehen konnte, wo man in der Hackordnung stand. In meinem Fall war das immer die 3 Minus. Fleissige Strebermädchen, die mit großem Aufwand die Lehrerinnenerwartung zu treffen suchten, punkteten in diesem System gnadenlos. Sie wählten später Kunst als Leistungskurs und besserten mit bloßem Fleiss routiniert ihre Abinote auf. Ich wählte Kunst so früh wie möglich ab und atmete auf. Eine Freundin von mir zog das Leistungskurskunst-Abi durch, studierte später Kunst und machte anschließend was ganz Anderes.
Erst Jahre nach der Schule besorgte ich mir wieder einen Füllfederhalter und entdeckte meine Freude am Schreiben damit. Ich besorgte mir spezielle wasserfeste Tinten und zeichnete Bilder, die ich dann anschließend mit Aquarellfarben kolorierte. Von motorischen Störungen war nichts zu bemerken. Ich spiele einige Instrumente, davon manche auf professionellem Niveau. Als ich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre anfing, mit Pastellkreiden, Wachsstiften, Kohle und Buntstiften zu malen und zu zeichnen, stellte sich schnell eine intuitive Unmittelbarkeit in der Auge-Hand-Koordination ein. Vorzeichnen und Ausbessern mit Radiergummi waren nicht meine Sache. Die unradierbare Tusche mit einem groben Pinsel aufzutragen und sich stets bewusst sein, dass es hier keine "undo"-Taste gibt, war sehr befreiend. Wenn etwas unerwartet abbog auf meinem Bild, lernte ich, darauf einzugehen, es zu umarmen und damit weiterzuarbeiten. Auch wenn man in einer ernstzunehmenden Künstlerbiographie bestimmt nicht den Fernsehmaler Bob Ross zitieren sollte, passt er genau hier her. Denn seine Behauptung, man würde keine Fehler malen sondern höchstens fröhliche kleine Unfälle, trifft es auf den Punkt. Malen ist wie das Leben selbst: Selbst wenn man weiss, was als nächstes passieren soll, kann man überrascht werden und muss dann damit klarkommen und weitermachen. Es ist dieser Pragmatismus, der meine Kunst erdet und dafür sorgt, dass der Kontakt zum tatsächlichen Leben und den echten Menschen nie abreissen kann. Wenn ich also am Malen und Zeichnen bin, dann bewegen sich meine Hände intuitiv vorwärts und vertrauen darauf, dass ich schon wissen werde, was als nächstes zu tun ist. Und das ist dann auch so. Kurz bevor der nächste Strich auf dem Papier landet, spüre ich, was passieren wird. Manchmal sehe ich die Linie vor mir und zeichne sie nur noch nach. Es findet ein ständiges Hin- und Herschalten zwischen dem kleinen Bereich, in dem ich gerade tätig bin, statt und dem größeren Gesamtbild vor mir. Die Dinge müssen im Kleinen für sich ihre Rolle tragen können als auch als Teil des Ganzen. Man kann in alle meine Bilder auch so eintauchen, dass man nur einen Ausschnitt herausvergrößert und darin auch ein eigenständiges Bild findet, das für sich dastehen könnte. Als Menschen einer Gesellschaft können wir auch immer sowohl als Teil einer Gemeinschaft betrachtet werden oder auch als einzelnen Charakter, der für sich betrachtet auch tragfähig ist und interessante Geschichten zu erzählen hat. In meinen Bildern tauchen nun viele immer wieder gleiche oder ähnliche Elemente auf. Manche davon sind wie Repräsentanten einer genormten Gruppe. Zwar sehen sie immer gleich aus, ändern aber doch ihre Bedeutung, sobald sie in Nachbarschaften eintreten, ihre Richtung wechseln, in Größe und Farbgebung variieren. Es gibt gesellschaftliche Tendenzen, völlige Toleranz zu predigen und jegliches Bewerten abzuschaffen. Und so sehr ich um Toleranz werbe und mich als Opfer ständiger Abwertungen sehe, bin ich gegen diese radikale Scheinlösung. Unsere Aufgabe ist vielmehr, Grenzlinien zu suchen, die aus guten, sachlichen Gründen nicht überschritten werden dürfen und wo unsere Toleranz ein Ende haben muss. Dazu zählen alle Tendenzen, die auf eine Abschaffung von Toleranz hinarbeiten. Denen gegenüber kann es keine Toleranz geben. Als Künstler sehe ich meine Aufgabe darin, Impulse zu setzen für diese Verhandlungen über die Grenzlinien.
Man kann beim oberflächlichen Betrachten meiner Bilder schwer den immensen Energieaufwand ermessen, der die Komposition der Bildelemente zueinander möglich macht. Wo welches Element in Bezug auf welche anderen welche Rolle einnimmt, ist ein komplexer Prozess, der in Echtzeit richtig kräftezehrende emotionale und intuitiv-assoziative Arbeit ist. Da wird richtig Energie verbrannt, der Puls geht hoch, ich durchlebe Geburtsprozesse und Auseinandersetzungen mit physisch messbaren Symptomen. Ein Beobachter sieht mich vielleicht im Dialog mit mir selbst und unsichtbaren Protagonisten und Antagonisten. Oder er sieht mich da nur sitzen und kriegt von alledem nichts mit, während meine Hände Dinge entstehen lassen. Meine fertigen Zeichnungen stellen immer auch Psychogramme von zwischenmenschlichen Verflechtungen dar. Das könnten auch systematische Skizzen eines Familientherapeuten nach einer kontroversen Sitzung sein. Lange Zeit gab es Überlegungen, ob nicht das Medium Film ein Weg für mich wäre. Schon als Kind filmte ich auf Super8. Später hat mich immer auch das Filmen auf VHS und S-VHS fasziniert. In der Schule hatte ich eine Theatergruppe gegründet, Hörspiele und Drehbücher geschrieben und mit Freunden Sketche und Musikvideos produziert. Später kam ich in die zweite Runde beim Bewerbungsverfahren der Filmakademie BW. Aber ich wurde dann doch nicht genommen und musste mir eingestehen, dass echte, reine Filmmenschen anders ticken als ich. Ich mag das Medium. Aber mein eigentliches ist in erster Linie das zweidimensionale Bild, eine einzelne Momentaufnahme, in die sich der Betrachter vertiefen kann, ohne ein vorgegebenes Zeitelement. Und weil sich meine Symbole und Figuren mit all ihren Anziehungen und Abstoßungen so dynamisch anordnen, ist besonders dieser eine Moment, wo jemand auftaucht und ein Bild davon festhält, bemerkenswert. Manche der so Festgehaltenen schaffen es noch, eine gewisse Pose einzunehmen oder ihre Mimik hinzudeichseln. Aber im Großen und Ganzen wurden alle in ihrer prächtigen und auch abstoßenden Bandbreite erwischt und aufgedeckt. Man kann meine Gemälde auch als Polizeifotografie im Sinne eines Beweismittels sehen, wo Täter in Flagranti erwischt wurden. Wer forensisch hinschaut, kommt den wahren Schuldigen auf die Schliche und durchschaut die falschen Opfer.

Obwohl es so gut wie unmöglich ist, für einen anderen zu beurteilen, wie stark ihn Sinneswahrnehmungen und Empfindungen treffen, wird ständig dieser Versuch unternommen. Eltern entscheiden für ihre Kinder, ob sie dieses oder jenes ertragen können. Vorgesetzte legen fest, was zumutbar ist. Sätze wie „ist doch nicht so schlimm“ und „das schaffst du“ gehen leicht über die Lippen. Als jemand, der offenbar von Geburt an Sinnesreize in hohen Intensitätsgraden und Ausdifferenzierungen wahrnimmt, wird einem täglich suggeriert, man stelle sich an und lasse sich gehen. Menschen tun sich leicht, über die Grenzen des Erträglichen bei anderen hinwegzuwalzen. Fein differenzierende Sinne und große Sensibilität werden von anderen erst mal als lästig und anstrengend hingestellt, weil diese Eigenschaften sich als bremsend herausstellen, wenn jemand über einen verfügen will. In meinem Fall hat es sehr lange gedauert, bis ich mir des Geschenks solcher Sinne und Empfindsamkeit im vollen Umfang bewußt geworden war. Mein Farbsehen, mein musikalisch-klangliches Hören, mein Erspüren von räumlichen Situationen und mein assoziatives Erleben fallen in ihrer Differenzierung und Dynamik so aus dem gewohnten Rahmen, dass ich vieles davon schwer verbal vermitteln und auf Verständnis hoffen kann. Für meine ständige Sammlung und Verarbeitung von Eindrücken sind diese Eigenschaften ein wertvolles Geschenk, das ich jeden Tag aus vollen Zügen nutze. Und im schöpferischen Ausgestaltungsprozess meiner Kunst erlebe ich meine Sinne und die Funktionsweise meines neuronalen Systems als eine lebendig oszillierende Einheit von Reflexion und Kreation. Ich verstehe inzwischen, dass eine Gesellschaft solche etwas anders konstruierten Wesen nutzen darf, um den Blick zu erweitern und auf unterhaltsame Art Neues zu entdecken. Das können einfache, greifbare Impulse sein oder auch große, schwer zu fassende Zusammenhänge. Ob nun viele oder nur wenige diese Chance erkennen und nutzen - diese Rolle anzunehmen, ist meine Aufgabe.
Noch kann ich nicht rein vom Verkauf meiner Bilder meine Familie ernähren. Wie bei den meisten Künstlern bleibt es erst mal eine Mischkalkulation. Eine bescheidene Lebensführung, wo viel selbst gemacht und repariert wird in Kombination mit kleineren Zusatzeinnahmequellen wie Gitarrenstunden, Workshops und der gelegentliche Fotojob sorgen dafür, dass dieses Leben möglich ist und dabei das Vatersein und das Leben als Künstler gleichermaßen mit vollem Herzen ausgefüllt wird. Damit meine Kinder nicht finanziell unter meinem kargen Künstlerleben leiden mussten, begleitete ich als letzten kommerziellen Art Director Job einen hochwertigen Fliesenleger viele Jahre bei seiner visuellen Außenpräsentation, gestaltete ihm Kunstplakate, Textilien und skurril gebastelte Einladungskarten und bedruckte seine gesamte Fahrzeugflotte mit einem Holzschnitt von mir. Das machte Spaß, brachte etwas finanzielle Sicherheit und ließ mich was mein grafisches Handwerk angeht in Übung bleiben.
Wenn Du tatsächlich diesen ganzen Text bis hierhin gelesen hast, bedanke ich mich für dieses schöne Kompliment! Jetzt hast Du einen ersten intensiven Blick hinein in meine Existenz geworfen. Die Bilder, die ich male, zeige und anbiete sind wie eingedampfte Essenzen meines Seins, meines Fühlens, Denkens und Handelns. Nicht jeder kann sie sich an seiner Wand vorstellen. Manche brauchen dringend eines meiner Bilder. Alle zugeschriebenen Eigenschaften brachten mir schon Ablehnung einerseits und Umarmung meiner Bilder andererseits ein: Buntheit, Dichte, Größe, Offenherzigkeit, Vielschichtigkeit, Intensität… Ich freue mich über jeden, der mich und meine Werke kennenlernen möchte.
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Pressetext 2015
Der Künstler DANILO WERTENAUER
Der 45-jährige Künstler Danilo Wertenauer hebt die Aquarelltechnik auf eine so nicht erwartete Ebe- ne, indem er harte schwarze Konturen wie aus einem Comic-Roman als Raster seiner Wimmelbilder einsetzt. Lebenshungrige Farbkontraste und pulsierende Kompositionen pochen aus den Gemälden he- raus. Der grafische Stil mit augenzwinkernder Nachbarschaft zur Street Art und zur Pop Art arbeitet verspielt mit wiederkehrenden Elementen, deren Zusammenstellung die jeweilige Bildsituation hält.
Seine Berufung zum Künstler erhielt Wertenauer erst recht spät und auf ungewöhnliche Weise. Nach einem abgebrochenen Jurastudium arbeitete er jahrelang als freier Art Director. Über das Retu- schieren und Malen mit der Maus am Computer fand er zur Kunst mit Pinsel und Stift. Das Hin- und Herwechseln zwischen analoger und digitaler Welt ist für ihn alltägliche Normalität, die sein künstleri- sches Arbeiten formt.
Seinen Stil hat der Maler gefunden. Man merkt auch jeder Skizze und Bildern in anderen Medien sofort an, von wem sie stammen. Eine Überfrachtung der Szenerien bis über die Schmerzgrenzen mancher Menschen hinaus ist hier Konzept. Es wird meist deutlich mehr angerissen, als auf den ersten oder zweiten Blick verarbeitbar wäre. Eine Kettenreaktion des Weiterentdeckens zieht den Betrachter tiefer in das Bild hinein und gibt dabei mehr von der Wertewelt des Künstlers preis.
Die stets wachsende Sammlung von wiederkehrenden Figuren und Gegenständen seiner Bilder be- zeichnet Wertenauer als „eine Art einfacher Sprache“, die Grundmechanismen des Zusammenlebens containerartig faßt und aufeinandertreffen läßt. Dabei werden Beziehungsgeflechte, Zwänge und Verbindungen nachgezeichnet und in ihrer widersprüchlichen Leidenschaft freundlich belächelt. Die Bilder von Danilo Wertenauer tragen fast immer eine harte, schwarze Linienzeichnung als Kerngerüst, in welchem die Farbfüllung und das Licht- und Schattenspiel verankert sind.
Menschliche Gesichter mit ausgeprägten Charakterzügen halten den Blickkontakt zum Betrachter und fordern die Menschenkenntnis der Neugierigen heraus. Standardisierte Posen und selbstverständliche Nacktheit mäandern da ebenso herum wie Transportmittel, Werkzeuge und Kommunikationsutensilien. Das rätselhafte „ITCH 44“ gilt es, immer wieder zu finden. Und über mögliche Deutungsansätze darf gerne ausufernd fabuliert werden. Danilo Wertenauer glaubt nicht an ein monokausales Korsett, dem sich sein Werk ergeben will. Oft sei er selbst überrascht, was sich da in seine Bilder gemogelt habe, ohne daß ihm das bei der Arbeit bewußt geworden sei.
Ursprünglich gab es keine Originale des Künstlers, weil er sowohl analog als auch digital arbeitete und dabei stets eine druckbare Datei das Resultat seines Schaffensprozesses war. Limitierte Editionen edler Pigmentdrucke auf Büttenpapier verließen dabei das Atelier. Die Idee, das klassische Original wie bei manchen Popart-Künstlern zu umgehen, gefällt Wertenauer nach wie vor. Aber dem Wunsch mancher Menschen entsprechend, eben jenes Exemplar zu erwerben, das der Künstler genau so auf genau diesem Papier gestaltet hat, bietet Danilo Wertenauer seit 2014 nun auch Originale an, die nach seinen speziellen Vorstellungen anders als klassische Aquarelle nicht hinter Glas und Passepartout sondern offen in einem handgefertigten Schattenfugenrahmen gezeigt werden.
DANILO WERTENAUER
www.erdbeerhund.com
danilowertenauer.tumblr.com
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2018
DANILO WERTENAUER - Mein künstlerischer Lebenslauf
Kurz nach der Mondlandung kam ich 1969 zur Welt. Meine Eltern waren bodenständige Leute: eine Lehrerin und ein Kaufmann. Sie liebten mich grenzenlos und zeigten mir die Welt. Die Schule trieb mir dann das Malen und Basteln erst mal gründlich aus. Man klebte mir 13 Schuljahre lang die Note 3 an, wenn es um Kunst ging. Schauspiel, Photographie und Musik eroberte ich dennoch für mich.
Mein kleiner Bruder konnte immer schon sehr gut zeichnen, studierte Architektur, war geschickt mit Werkzeugen und weckte dadurch in mir einiges, was da schlummerte. Während meines Jurastudiums Anfang der 1990er Jahre entdeckte ich das Retuschieren von Photos am Rechner als große Leiden- schaft. Daraus entwickelten sich Bildcollagen und letztlich komplette Malereien, die mit einem Stift am Computer gemalt wurden.
Das brachte mich zurück zu der Frage, ob ich nicht doch auch auf Papier etwas gestalten könnte, das mich begeistert. Und so wies mir das digitale Malen den Weg hin zu Pinsel und Stiften. Von all den Mal- und Zeichentechniken, die ich zu durchdringen suchte, sträubte sich das Aquarell am beharrlichs- ten und forderte meine Hartnäckigkeit heraus. Es war wie ein Pferd, das einen immer wieder abwirft. Aber ich habe es für meinen Stil zu zähmen gelernt und eine augenzwinkernde Freundschaft mit den edlen Wasserfarben geschlossen.
Da mich spät die Leidenschaft zu Malen befiel, gab es viel nachzuholen und zu lernen. Ich verschlang alles, was ich an Ideen und Wissen bekommen konnte. Das Zeichnen und Malen treibt mich seit Beginn des neuen Jahrtausends täglich viele Stunden um. Es entwickelt sich ein Vokabular visueller Elemente ständig weiter, aus dem ich meine wimmelbildhaften Szenarien komponiere.
Ich bin kein gelernter Kunstmaler und könnte keine streng vorgegebenen Aufträge abarbeiten. Die Kunst, die ich da mache, hat mich gesucht und gefunden. Sie drängt aus mir heraus. Und ich würde sie machen ganz gleich, ob sie jemand genauso mag wie ich. Fast jedes fertige Bild würde ich mir am liebsten selbst an die Wand hängen und jeden Tag neu entdecken. Ich freue mich unbändig, wenn meine Bilder Menschen finden, die meine Begeisterung teilen. Und wenn ein Bild dann tatsächlich im Lebensraum von Menschen seinen Bestimmungsort findet, wo es jeden Tag neue Aspekte von sich preisgibt und dort mitlebt, dann ergibt meine Arbeit einen wunderbaren Sinn.
Längst ist ein Lebensstil aus der Malerei geworden. Sie umgibt mich und gehört ganz selbstverständ- lich dazu. Davon gibt es keinen Urlaub. Ich male immer. Und es gibt noch eine Unmenge zu entdecken. Mein Bruder hilft mir, meine speziellen Vorstellungen z.B. von den Rahmungen der Bilder umzusetzen und die technischen, logistischen und gestalterischen Herausforderungen von Ausstellungssituationen zu meistern.
Wer sich getraut, genauer hinzusehen und nachzuhaken, wird in meinen Bildern Fragestellungen finden, die mich ausmachen. Zwischen Ironie und Schwärmerei stecken meine Entdeckungen, meine Werte und meine Zweifel. Die Figuren und Zeichen in meiner Arbeit geben meinem Ringen um Antwor- ten eine bunte, stammelnde Stimme, welche einlädt zum Neugierigbleiben.
DANILO WERTENAUER
www.erdbeerhund.com
danilowertenauer.tumblr.com
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Künstlerischer Lebenslauf 2020
Danilo Wertenauer
geboren am 7.10.1969
1989 Abitur
bis 1994 Jurastudium
90er Jahre Lernen und Arbeiten in den Bereichen Bildbearbeitung, Illustration, Animation, Corporate Design, Photodesign, Retusche, Malerei
Mitte der 90er bis Anfang der 2000er Tätigkeit als freier Art Director für größere Agenturen und Firmen
Schulungstätigkeit in den Bereichen Kreativitätstechniken, Songwriting, gestalterische Medienproduktion, Photobearbeitung, Kunstprojekte an Schulen
Art Work für Bands und Einzelkünstler
Arbeit mit Videoprojektionen, Daumenkinos, crossmedialen Konzerten, Theaterproduktionen und Kunstperformances im Künstlerduo mit Heiko Stachel (www.zitronenwolf.com) und Kooperationen mit Künstlern verschiedener Disziplinen Verschiedene Wettbewerbe im Bereich visueller und musikalischer Gestaltung (1. Platz bei Filmmusik-Preis Krieger/Kaiserin, SWR3-Rookies und Animago Video-Award)
Seit 2006 verschiedene Einzel- und Gruppenausstellungen mit Gemälden
Bevorzugte Technik:Aquarell mit klaren Konturen aus Tusche,Wachs oder Marker Andere Techniken: Photomontage, Monoprint, Zeichnen auf Photodruck
Regelmäßig Verkäufe von Werken
Street Art Aktionen wie 1 Woche Malen in der Schalterhalle des HBF Stuttgart
aktuelle Informationen, Katalog, virtuelle Rundgänge durch Ausstellungen: www.ERDBEERHUND.com
danilowertenauer.tumblr.com
instagram.com/danilowertenauer